Technik: Private Ladestationen von 2 kW bis 22 kW

Laden privat: Steckdose und Wallbox

Das private Laden des Elektroautos ist abhängig von der Technik auf beiden Seiten: Vom Anschluss an das Stromnetz und von der Ladetechnik im Auto. Das schwächere Glied bestimmt die Ladezeiten.

Die wichtigsten Fragen zum Elektroauto

Die Möglichkeit, sein Elektroauto auch daheim zu laden ist eine wichtige Voraussetzung für dessen Betrieb. Zuhause steht das Auto in der Regel viele Stunden am Tag, vor allem auch in der Nacht. Bei langen Standzeiten sind auch keine besonders hohen Ladeleistungen erforderlich.

2,3 Kilowatt. Laden an der Haushalts-Stecksdose.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Ladekabel für die Haushaltssteckdose: An dem einen Ende ein Typ-2-Stecker, am anderen Ende ein Schukostecker. Für sehr langsames Laden, auch Notladekabel genannt. Foto: laggers.at

Jedes Auto sollte zur Sicherheit ein Ladekabel mit einem konventionellen Schuko-Stecker an Bord haben. Damit kann man an normalen 230-Volt-Haushaltssteckdosen laden. Die Ladeleistung ist mit meistens nur 2,3 Kilowatt recht niedig. Es wird nämlich mit so einem Kabel aus Sicherheitsgründen üblicherweise nur mit 10 Ampere Stromstärke geladen, auch wenn die Steckdose mit 16 Ampere abgesichert ist. Die geringe Ladeleistung hat naturgemäß sehr lange Ladezeiten zur Folge. Bei einer eher kleinen Batterie im Fahrzeug von 20 kWh dauert der Ladevorgang schon ungefähr zehn Stunden, also eine ganze Nacht. Ein Opel Ampera-e mit üppig dimensionierter 60-kWh-Batterie würde fast eineinhalb Tage an der Strippe hängen. Das Kabel mit dem Schuko-Stecker wird deshalb oft auch Notladekabel genannt. Man hat es einfach mit – wie einen Reservereifen.

3,2 Kilowatt. Laden an der „kleinen“ Wallbox.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Steckdose zum einphasigen Laden mit 14 Ampere bzw. 3,2 kW. Foto: Renault

Wenn die Hausinstallation entsprechend gut dimensioniert ist, kann bei einem 230 Volt-Anschluss auch mit bis zu 14 Ampere geladen werden. Wenn die elektrotechnischen Rahmenbedingungen passen, kann der Elektritker also eine eigene Steckdose vorsehen, die das Laden mit bis zu 3,2 Kilowatt Ladeleistung zulässt.

3,7 Kilowatt. Laden an der Wallbox.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Manderl und Weiberl eines Typ-2-Ladekabels zum privaten Laden mit Wechselstrom. Dafür ist eine Wallbox Voraussetzung (siehe ganz oben). Damit kann mit 3,7 kW (mit 16 Ampere bei 230 Volt) bis 11 kW (mit 16 Ampere bei 400 Volt) geladen werden. Auch 22 kW sind in manchen Fällen möglich. Foto: laggers.at

Das ist derzeit die häufigste Art, wie Antriebsbatterien von Autos geladen werden. Egal, ob reine Elektroautos oder Plug-In-Hybride: 230 Volt mit einer Stromstärke von 16 Ampere ergibt 3,7 Kilowatt. Voraussetzung dafür ist eine so genannte Wallbox. Das Ladekabel für diesen Zweck kann man auch als Standardladekabel bezeichnen. Es besitzt den so genannten Typ-2-Stecker. Das ist die europäische Norm für Stecker, die in der Lage sind, Wechselstrom mit einer Spannung von 230 bis 400 Volt und einer Leistung bis 22 Kilowatt zu übertragen.

7,4 Kilowatt einphasig.

Diese Möglichkeit finden wir vorwiegend bei asiatischen Elektroautos. Hier könnte mit 230 Volt und 32 Ampere geladen werden. Diese Variante ist im österreichischen Stromnetz aber nicht vorgesehen.

11 Kilowatt.

Diese Möglichkeit des Ladens mit 400 Volt und 16 Ampere sollte sich ursprünglich als Standard für privates Laden zuhause durchsetzen, ist aber derzeit nur bei Renault und Tesla möglich und bei BMW gegen Aufpreis. Mit 11 Kilowatt können relativ große Batterien in einem überschaubaren Zeitraum geladen werden. So ist ein Renault Zoe mit 41-kWh-Batterie in weniger als drei Stunden voll.

22 Kilowatt.

Das ist die höchste Ladeleistung, die im Haushaltsstromnetz auf Basis 400 Volt möglich ist, ist aber an zusätzliche Voraussetzungen seitens des Stromnetzes geknüpft, kommt daher für private Zwecke eher nicht in Frage. Wird derzeit auch nur von Renault unterstützt.

Sonderfall: Universal-Ladekabel 11/22 kW

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Einfache Lösung für Hausbesitzer: Ladekabel für den privaten Starkstromanschluss. Foto: laggers.at

Da praktisch jedes österreichische Einfamilienhaus einen so genannten Starkstromanschluss besitzt, womöglich auch noch mit der roten Steckdose in der Garage, gibt es hierzulande noch eine weitere Möglichkeit des beschleunigten Ladens, nämlich ein Kabel mit Ladeelektronik, das direkt in die Starkstromsteckdose gesteckt werden kann und so die Wallbox ersetzt. Damit kann bei 400 Volt mit 16 bzw. 32 Ampere mit 11 bzw. 22 kW geladen werden, vorausgesetzt, die Ladetechnik des Autos erlaubt dies auch.

Sonderfälle Renault und Tesla:

Renault legt seiner Kundschaft nahe, Renaults nur an eigens zertifizierten Ladestationen zu laden (Z.E-Ready). Statement von Renault Österreich: „Geladen werden kann an allen Ladestationen, mit oder ohne Z.E. Zertifizierung, es kann bei schlechten bzw. mangelhaften Installationen sein, dass das Fahrzeug aus „Eigenschutz“ die Ladung nicht zulässt. Diverse Unternehmen haben verschiedene Geräte im Sortiment, mit denen man sein Fahrzeug auch an der Starkstromsteckdose laden kann. Diese funktionieren zwar, sind aber deshalb nicht von uns zertifiziert, weil es durch Fehlbedienungen zu Beschädigungen an der Heiminstallation kommen kann, da die Stromstärke beliebig eingestellt werden kann.“

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Gleichstromladen mit bis zu 135 Kilowatt am Supercharger (Bild) funktioniert bei Tesla mit dem gleichen Stecker wie das Wechselstromladen zu Hause. Foto: laggers.at

Tesla verwendet einen eigenen Stecker, der einerseits als Typ-2-Stecker für Wechselstrom fungiert, aber gleichzeitig auch in der Lage ist, am Tesla-eigenen „Supercharger“ mit bis zu 135 Kilowatt Leistung Gleichstrom zu laden.

Laden zuhause: Wallboxen im Überblick

Die Installation einer Wallbox kann je nach technischen Voraussetzungen im Haus sehr einfach und für wenige hundert Euro schnell erledigt sein aber auch bei mehr Aufwand mehrere tausend Euro kosten und mehrere Tage dauern. Das lässt sich nur im Einzelfall mit einem Elektroinstallationsunternehmen abklären. Bei Garagen und anderen Gemeinschaftsanlagen ist die rechtliche Situation gegenüber eventuellen Eigentümern bzw. Miteingentümern zu eruieren. Wichtig ist auch, sich vorab mit dem Netzbetreiber in Vebindung zu setzen, da das Laden eines Elektroautos auch bei vergleichsweise geringer Ladeleistung aufgrund der Dauer eine außergewöhnliche Netzbelastung darstellt. In jedem Fall müssen die Bedürfnisse, Anforderungen und Rahmenbedingungen aufeinander abgestimmt werden. Und Achtung! Nicht alle Ladestationen sind auch für alle Elektroautos geeignet. Renault etwa verlangt eine eigene Zertifizierung. So ist eine Kaufentscheidung nicht immer ganz einfach. Und noch etwas: Einerseits werden zwar die Batterien der Autos immer größer, was auch auf steigende Ladeleistungen deuten würde, gleichzeitig bieten viele Autohersteller bei ihren Modellen für den Hausgebrauch überwiegend nur einphasiges Wechselstromladen mit 230 Volt und 3,7 Kilowatt an. Schnellladen mit 50 kW Gleichstrom geht dann zwar auch, aber nur an öffentlichen Ladesäulen.

Rudolf Skarics, Fotos: laggers.at

Marktübersicht: Ladestationen für privaten Gebrauch:
Wallboxen bis 4,6 kW
Wallboxen bis 7,6 kW
Wallboxen bis 11 kW
Wallboxen bis 22 kW

Hier handelt es sich um journalistisches Überblickswissen im Rahmen rasant fortschreitender technischer Entwicklungen. Beachten Sie deshalb unbedingt die Bedienungsanleitungen, Betriebsbedingungen und Vorgaben der Netzbetreiber und Fahrzeughersteller.

Eigentlich auch interessant

Laden an der Starkstromdose

Laden an der Starkstromdose

In der Südoststeiermark, dort, wo in nahezu toskanischem Ambiente und mildem Klima auffällig viel ...

Mit dem VW e-Golf auf den Großglockner

Strom tanken geht (fast) überall

Auch wenn es kein einheitliches Bezahlsystem für das Betanken von Elektroautos gibt, kommt man ...

Kauf einer privaten Ladestation

Kauf einer privaten Ladestation

Welche Unternehmen private Ladestationen in Österreich anbieten und wieviel sie kosten.