BMW: Batterie als neue Kernkompetenz

BMW fertigt nun auch seine Batteriezellen selber, zumindest bis an den Rand zur echten Serienproduktion – und verspricht, die Rohstoff- Lieferkette so gut wie möglich zu kontrollieren.

BMW: Batterie als neue Kernkompetenz


BMW ist ja für seine Kompetenz beim Antrieb bekannt, hat den Verbrennungsmotor zu höchster Raffinesse entwickelt, vor allem auch dem Diesel eine große Karriere bereitet. Jetzt geht es zielstrebig in Richtung Elektrifizierung des Antriebs. Wie schnell und ob überhaupt diese Entwicklung ins reine Elektroauto münden wird, kann im Moment niemand sagen. Dazu ist die Weltlage zu komplex. Was man aber künftig auf jeden Fall brauchen wird, sind immer mehr und bessere Batterien als Energiespeicher. Ob Plug-in Hybride oder reine Elektroautos: Die Kundschaft fordert Reichweite, die bekommt man nur, indem man mehr und bessere Batterien einbaut.

BMW: Batterie als neue Kernkompetenz
Kathode und Anode werden als Folien produziert. © BMW

Was für BMW aber ganz besonders von Bedeutung ist, um seine Markenidentität in die Zukunft zu transformieren, ist eigene Kompetenz in der Batterietechnologie. Dort steckt künftig das Knowhow für das überragende Fahrgefühl. Und das nimmt man jetzt ganz ernst. Die allgemeine Vorstellung ist ja, dass sich eine eigene Entwicklung und Großserienfertigung aus europäischer Warte aus in Europa nicht rentiert, dazu wäre der technologische Vorsprung der Asiaten zu groß.

Großserienfertigung bleibt bei Lieferanten

Bei allen Unwägbarkeiten, was die Zukunft bringen mag, bei BMW ist man sicher, dass künftig nur mehr jemand charakterstarke Autos bauen kann, der auch die Batterie bis in ihr Innerstes versteht. So hat man folgerichtig ein Batterieentwicklungszentrum für 200 Millionen Euro gebaut, in dem 200 hochqualifizierte Jobs zu vergeben waren. Ziemlich zentral in München aber etwas abseits der Entwicklungszentrale entstand ein Gebäude, das der Entwicklung und Herstellung von Antriebsbatterien auf Lithium-Ionen-Technologie dient. Damit ist es möglich, alle Schritte bis zum Prototypbau, bis an den Rand der echten Großserienfertigung für den Markt durchzuexerzieren. Man exerziert die Herstellung und Kombination von Anoden-, Kathoden- und Seperator-Folien immer wieder durch, um die Energie zu verdichten, die Leistung und Sicherheit zu erhöhen.

BMW: Batterie als neue Kernkompetenz
Präzision in der Herstellung ist alles, sonst funktioniert nichts. © BMW

Damit will man in der Lage sein, seinen Batteriezellenlieferanten Samsung (Korea) und CATL (China) – auf Augenhöhe zu begegnen und die besseren Batterien bauen zu lassen als die anderen Autohersteller, die auch auf deren Kundenliste stehen. Es geht aber nicht nur um den die Antriebstechnik. Der Elektroantrieb ist ja auch in gesellschaftlichen und sicherheitstechnischen Belangen harscher Kritik ausgesetzt. Zur Strategie gehört es etwa, den Bedarf an sozial und umweltkritischem Kobalt zu reduzieren und die Lieferkette aller notwendigen Metalle und Chemikalien selbst zu kontrollieren.

BMW: Batterie als neue Kernkompetenz
Die Herkunft und der Preis der Rohstoffe stellen ein Schlüsselmoment in der Batterieproduktion dar. © BMW

Um einigermaßen den Überblick über herrschende Umwelt- und Sozialstandards zu gewährleisten, hat man beschlossen, für die nächste Generation Hochvoltspeicher ab 2020 Kobalt und Lithium nur mehr direkt einzukaufen, Kobalt ausschließlich aus Minen in Australien und Marokko.

Der Wettlauf um die Rohstoffe

Auch wenn von allen Seiten – auch von BMW – immer wieder beteuert wird, die Rohstoffsituation wäre zumindest bis 2025 gesichert, deutet doch einiges darauf hin, dass Engpässe nicht auszuschließen sind. Nicht, dass man nichts mehr bekommen würde, wenn ein Boom ausbricht, es geht aber um den Preis. Ist man also schon von asiatischen Konzernen in der Zellproduktion abhängig, so möchte man doch wenigstens die Rohstoffsituation selbst in den Griff kriegen. Auch wer in Sozial- und Umweltaspekten glaubwürdig dasteht, wird künftig leichter teuere Autos verkaufen können. So tritt hier immerhin ein, was in vielen Krisenzeiten für die Mode galt: Nur wer seinen Schneider mit edlen Stoffen versorgen konnte, hatte Aussicht auf ein schönes G’wand.

Rudolf Skarics

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