Moon City Salzburg

Moon City: Reparaturübungsplatz und Erlebniswelt

Die Porsche-Holding-Tochter Moon, die für Infrastruktur rund um die Elektroautos der VW-Gruppe zuständig ist, hat in Salzburg eine interaktive Erlebniswelt eröffnet – und übt dort auch den Umgang mit kaputten Batterien.

Moon City: Reparaturübungsplatz und Erlebniswelt

Mit dem Verkaufen von Elektroautos alleine ist das Thema Elektromobilität noch lange nicht erledigt, denn anders als der gewohnte Benzin- oder Dieselwagen ruft das Elektroauto eine Menge Erklärungsbedarf hervor. Vor dem Kauf, nach dem Kauf, während der Nutzung und auch nach dem Ende des Lebenszyklus, ob dieses früher oder später erst eintritt. Deshalb hat auch die Porsche Holding Salzburg, Importeur aller Marken der VW-Gruppe, eine eigene Tochter gegründet, die sich mit all den Begleitumständen des Elektroautokaufs und -besitzes befasst – damit man auf Überraschungen im weiten Neuland der Elektromobilität zumindest gut vorbereitet ist, wenn man schon nicht verhindern kann, dass diese nie eintreten. Wie ein abgebrannter elektrischer Unfall-Tesla ja deutlich zeigte, gibt es im weiten Themenkreis elektrisch Autofahren noch viele Punkte abzuarbeiten, die jetzt erst langsam zutage treten und wo Routine noch ein Fremdwort ist.

Batterien: Übung macht den Meister

Diese Tochter, sozusagen das Mädchen für alles rund ums Elektroauto, heißt Moon und residiert, wie es nicht anders sein kann, in der Sterneckstraße in Salzburg. Wir berichtetn bereits vor knapp einem Jahr über den Start von Moon. Hier hat man in achtmonatiger Bauzeit ein Zentrum hingestellt, in dem unter anderem das Zerlegen, und Fehlersuchen an Batterien erforscht wird und geübt werden kann, schließlich ist es ein wichtiges Ziel, dass im Falle eines Batteriedefekts, ob hervorgerufen durch einen Unfall oder mit unerklärlichem Hintergrund, nicht gleich die ganze Batterie getauscht werden muss. Der Raum, in dem die Arbeiten durchgeführt werden, gleicht schon eher einem Labor als einer Werkstätte, zumindest jetzt noch im jungfräulichen Neuzustand. Dort wird jedenfalls alles untersucht, bis hin zu Second-Life-Anwendungen und Recycling-Konzepten.

Moon City: Reparaturübungsplatz und Erlebniswelt
Links: Warnzeichen W012 nach ISO 7010: Warnung vor elektrischer Spannung. Foto © laggers.at

Ab 60 Volt Lebensgefahr

Die Erstdiagnose eines Batteriedefekts erfolgt über den normalen Diagnosestecker des Autos. Muss man näher ran an die Ursache, so ist der nächste Schritt, die Hochvoltbatterie von der Hochspannung zu befreien. Zu diesem Zweck gibt es für die Mechaniker eigene Schutzanzüge gegen Stromschlag und Helme gegen Funkenflug. Erst wenn die Systemspannung weniger als 60 Volt beträgt, darf man auf herkömmliche Art am Auto bzw. an der Batterie weiterarbeiten. Denn 60 Volt sind bei Gleichstrom die Schwelle, unter welcher der elektrische Strom vor dem Gesetz nicht mehr als lebensgefährlich gilt (Wechselstrom ist gefährlicher, dort liegt die kritische Schwelle bei 25 Volt). So viel kann man jetzt schon sagen: Gibt’s Brösel mit der Batterie, kann man damit rechnen, dass das Auto zwei bis drei Tage dort steht von der Diagnose bis zur Reparatur (red. Anm.: und wenn ein Ersatzteil nicht gleich verfügbar ist, mitunter auch länger, das kennen wir ja auch von ganz normalen Autos).

Falls es doch einmal brennt

Im Hof des Geländes gibt es auch eine Halle, in der defekte Batterien und Elektroautos zwischengelagert werden können. Mit entsprechenden Brandschutzeinrichtungen und Auffangbecken für Löschwasser ist für den Fall der Fälle, also worst case, vorgesorgt. Hier wird im Umgang mit defekten Elektroautos erprobt, was auch in gut einem Dutzend auf Elektroreparaturen spezialisierte Werkstätten der Volkswagen-Gruppe, verteilt über ganz Österreich, sehr schnell Selbstverständlichkeit sein muss. Das ist die weniger vergnügliche Seite der Thematik.

Moon City: Reparaturübungsplatz und Erlebniswelt
Die Welt der zusehends elektrifizierten Mobilität erschließt sich spielerisch © Moon

Edutainment und die elektrische Botschaft

Die vergnügliche Seite in der Moon City hat damit zu tun, dass man nicht – wie viele – glauben darf, dass man mit Ablöse von Verbrennungsmotoren auch etwas verliert. Wird schon sein, dass man ein paar alte Gewohnheiten ändern muss. Aber im Grunde liegt eine enorme Faszination im neuen Thema. Und das will man auch mit dem angeschlossenen Erlebniszentrum vermitteln. In der Dramaturgie einer Fahrt zum Mond wurden historische Sternschnuppen (Audi baute einmal für einen Wettbewerb ein Mondauto mit Radnabenmotoren) und Gleichnisse (der Mond als Wächter der Energie über der Erde oder so irgendwie) zusammengetragen, die sich nicht jedem so ohne weiteres logisch erschließen, um letztlich doch in ein so genanntes Edutainment-Center, ein interaktives Zukunftsmuseum zu münden und eine klare Botschaft zu vermitteln: Verkehr, Energie, Autofahren bestehen aus zahllosen Wechselwirkungen, es tut uns allen gut und es erquickt uns, darüber Bescheid zu wissen. Der Rahmen ist auch dafür gedacht, als Wissensplatform und Eventlocation genutzt zu werden.

Moon City: Reparaturübungsplatz und Erlebniswelt
Der Gedankengang wirkt ein bisschen synthetisch: Moon-City und die Expedition zum Mond © Moon

Systemanbieter rund ums E-Auto

Um es mit den Worten des Veranstalters der Eröffnungszeremonie zu sagen: „Die Mission von Moon ist es, Elektromobilität Alltag werden zu lassen und in die Breite zu bringen. Bei Moon dreht sich alles um Energiemanagement, von der Bereitstellung bis zur Speicherung und Nutzung von Energie – vorwiegend zu Mobilitätszwecken. Moon ist der „enabler“ für die E-Mobilität und bietet Privat- und Firmenkunden individuelle Lösungen für den Einstieg in diese neue Ära. Moon deckt als Systemanbieter mit ganzheitlichem Ansatz das gesamte Spektrum rund um die Elektromobilität ab.“

Der Gourmet in der Ladepause

Und übrigens: In die Moon-City ist auch ein feines Restaurant integriert, es heißt „My Indigo Eat and Charge“ mit lauter nachhaltigem Essen, wie gesagt wird, hier kann man unter delikaten Umständen üben, die Ladezeiten für das vor dem Haus geparkte Elektroauto zu überbrücken.

Rudolf Skarics

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