Technik: Private Ladestationen von 2 kW bis 22 kW

Laden privat: Steckdose und Wallbox

Das private Laden des Elektroautos ist abhängig von der Technik auf beiden Seiten: Vom Anschluss an das Stromnetz und von der Ladetechnik im Auto. Das schwächere Glied bestimmt die Ladezeiten.

Die Möglichkeit, sein Elektroauto auch daheim zu laden, ist eine wichtige Voraussetzung für dessen Betrieb. Zuhause steht das Auto in der Regel viele Stunden am Tag, vor allem auch in der Nacht. Bei langen Standzeiten sind auch keine besonders hohen Ladeleistungen erforderlich. Die Batterie wird geschont. Die Montage von Ladeeinrichtungen aller Art muss natürlich von einem konzessionierten Elektriker durchgeführt und beim Netzbetreiber gemeldet werden. Denn das Laden eines Elektroautos stellt aufgrund der langen Ladedauer eine äußergewöhnliche Netzbelastung dar. Das Laden daheim folgt immer den Voraussetzungen des Haushaltsstromnetzes mit Wechselstrom. Echtes Schnellladen mit Gleichstrom ist zuhause (noch) nicht möglich. Es ist technisch zu aufwendig und kann (derzeit) nur an öffentlichen Ladestationen realsiert werden.

Laden an der Haushalts-Stecksdose.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Ladekabel für die Haushaltssteckdose: An dem einen Ende ein Typ-2-Stecker, am anderen Ende ein Schukostecker. Für sehr langsames Laden, auch Notladekabel genannt. Foto: laggers.at

Jedes Auto sollte zur Sicherheit ein Ladekabel mit einem konventionellen Schuko-Stecker an Bord haben. Damit kann man an normalen 230-Volt-Haushaltssteckdosen laden. Die Ladeleistung ist aber recht niedig. Es wird nämlich mit so einem Kabel aus Sicherheitsgründen üblicherweise nur mit 8 oder 10 Ampere Stromstärke geladen, auch wenn die Steckdose mit 16 Ampere abgesichert ist. Die geringe Ladeleistung hat naturgemäß sehr lange Ladezeiten zur Folge. Für 100 bis 130 km Reichweite benötigt man ungefähr 10 Stunden. Wenn Sie tagsüber normalerweise ohnehin nicht weiter fahren, reicht das aber aus. Ein Auto mit 60-kWh-Batterie hängt von fast leer auf vollgeladen aber doch annähernd eineinhalb Tage an der Strippe. Das Kabel mit dem Schuko-Stecker wird deshalb oft auch Notladekabel genannt. Man hat es einfach mit – wie einen Reservereifen. Beachten Sie auch unseren Artikel über Risiken und Nebenwirkungen des Notladekabels. Der Vollständigkeit halber noch folgende Information, für alle, die es genau wissen wollen: Dieses Kabel mit dem Schukostecker nennt man Mode-2-Kabel. Der Stecker Fahrzeugseitig ist ein Typ-2-Stecker.

Laden an der „kleinen“ Wallbox.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Steckdose zum einphasigen Laden mit 14 Ampere bzw. 3,2 kW. Foto: Renault

Wenn die Hausinstallation entsprechend gut dimensioniert ist, kann bei einem 230-Volt-Haushaltsanschluss auch mit bis zu 14 Ampere geladen werden. Wenn die elektrotechnischen Rahmenbedingungen passen, kann der Elektriker also ein spezielles Ladekabel fix montieren, damit ist das Laden mit bis zu 3,2 Kilowatt Ladeleistung möglich. Das geht dann schon fast doppelt so schnell wie mit einem auf 8-Ampere limitierten Notladekabel. Ein fixer einphasiger Ladeanschluss ist preisgüstig und zugleich eine sehr sichere Art, das Auto mit dem Stromnetz zu koppeln.

Laden an der Wallbox.

Wallbox
Je nach Preislage kann eine Wallbox auch mit Anzeigen ausgestattet und übers Handy steuerbar sein. Foto: Skarics

Seit 2013 erst gibt es fahrzeugseitig einen einheitlichen Steckertyp. Der so genannte Typ-2-Stecker ist mittlerweile an allen Elektroautos und Plug-in-Hybriden zum langsamen und beschleunigten Wechselstromladen zu finden. (Ausnahme: ältere asiatische E-Autos und Plug-in-Hybride). Das Ladekabel, das an beiden Enden einen Typ-2-Stecker besitzt, nennt man Mode-3-Kabel (im Vergleich zum Mode-2-Ladekabel, das an einem Ende einen Schukostecker aufweist).

Das Mode-3-Kabel besitzt im Gegensatz zum Mode-2-Kabel keine Elektronik-Box. Die Elektronik zur Kommunikation zwischen Stromnetz und Fahrzeug sitzt nämlich in der Wallbox, die an der Wand montiert ist. Das Mode-3-Kabel ist entweder an der Wallbox fixiert oder ein externes Mode-3-Kabel kann dort eingesteckt werden. Um es nicht zu einfach zu machen: Es gibt einphasige und dreiphasige Mode-3-Kabel. Das einphasige kann nur Leistungen bis höchstens 7,4 Kilowatt übertragen, ein dreiphasiges kann bis zu 11 oder sogar 22 Kilowatt übertragen. Den Unterschied sieht man von außen nicht. Ein Mode-3-Kabel Kabel werden Sie auf jeden Fall brauchen. Es wird aber sehr oft nicht serienmäßig mit dem Auto mitgeliefert. Wenn Sie das Kabel gleich mitbestellen, können Sie sicher sein, dass es das richtige ist.

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Manderl und Weiberl eines Mode-3-Ladekabels zum privaten Laden mit Wechselstrom. Dafür ist eine Wallbox Voraussetzung (siehe oben). Damit kann mit 3,7 kW (mit 16 Ampere bei 230 Volt) bis 11 kW (mit 16 Ampere bei 400 Volt) geladen werden. Auch 22 kW sind in manchen Fällen möglich. Foto: laggers.at

3,7 Kilowatt einphasig (16 Ampere, 230 Volt)

In Österreich und der Schweiz sind sich die Netzbetreiber einig: Mehr als 16 Ampere Stromstärke pro Phase erlauben sie nicht. Bei einem einphasigen Anschluss (230 Volt) ergibt das 3,7 kW Leistung. Um diese Leistung auszuschöpfen, ist eine Wallbox notwendig, die auch eine Kommunikation zwischen Fahrzeug und Stromnetz sicherstellt.

7,4 Kilowatt einphasig (32 Ampere, 230 Volt)

Diese Möglichkeit finden wir vorwiegend bei asiatischen Elektroautos. Hier könnte mit 230 Volt und 32 Ampere geladen werden. Diese Variante ist im österreichischen Stromnetz aber nicht vorgesehen.

11 Kilowatt dreiphasig (16 Ampere, 400 Volt).

Diese Möglichkeit des Ladens mit 400 Volt und 16 Ampere beherrschen fast alle Elektroautos, die derzeit neu auf den Markt kommen. Ob die Netzbetreiber künftig dreiphasige Anschlüsse zum Laden ohne Lastmanagement genehmigen werden, steht in den Sternen. Mit 11 Kilowatt können relativ große Batterien in einem überschaubaren Zeitraum, zum Beispiel über Nacht, zuhause geladen werden.

22 Kilowatt (32 Ampere, 400 Volt).

Das ist die höchste Ladeleistung, die im Haushaltsstromnetz auf Basis 400 Volt möglich ist. Das ist aber an zusätzliche Voraussetzungen seitens des Stromnetzes geknüpft, kommt daher für private Zwecke eher nicht in Frage. Außerdem gibt es nur wenige Elektroautos, die diese Ladeleistung unterstüzten.

Sonderfall: Universal-Ladekabel 11/22 kW

Laden privat: Steckdose und Wallbox
Einfache Lösung für Hausbesitzer: Ladekabel für den privaten Starkstromanschluss. Foto: laggers.at

Da praktisch jedes österreichische Einfamilienhaus einen so genannten Starkstromanschluss besitzt, womöglich auch noch mit der roten Steckdose in der Garage, gibt es hierzulande noch eine weitere Möglichkeit des beschleunigten Ladens, nämlich ein Kabel mit Ladeelektronik, das direkt in die Starkstromsteckdose gesteckt werden kann und so die Wallbox ersetzt. Damit kann bei 400 Volt mit 16 bzw. 32 Ampere mit 11 bzw. 22 kW geladen werden, vorausgesetzt, die Ladetechnik des Autos erlaubt dies auch.

Sonderfall Tesla:

Weil Tesla nicht warten wollte, bis sich alle Europäer über einen gemeinsamen Ladestecker-Standard einig sind, hat man ein eigenes System entwickelt. Dieser Ladestecker sieht aus wie der bekannte Typ-2-Stecker und beherrscht auch dessen Funktionen. Er kann aber zustäzlich an den Tesla-eigenen Superchargern Gleichstrom mit bis zu 135 kW laden. Ab dem Model 3 hat man sich aber entschlossen, für die europäischen Modelle die europäischen Standards zu übernehmen. Damit erfüllt man nicht nur neue Gesetzesvorgaben und Förderrichtlinien, damit sind auch Kooperationen mit anderen Ladestationenbetreibern möglich.

Tesla Supercharger mit zusätzlichem CCS-Stecker
Langsame Angleichung der Ladestandards an europäische Normen: Tesla Supercharger mit zusätzlichem CCS-Stecker © Skarics

Installation einer Ladestation zuhause

Die Installation einer Wallbox kann je nach technischen Voraussetzungen im Haus sehr einfach und für wenige hundert Euro schnell erledigt sein aber auch bei mehr Aufwand mehrere tausend Euro kosten und mehrere Tage dauern. Das lässt sich nur im Einzelfall mit einem Elektroinstallationsunternehmen abklären. Bei Garagen und anderen Gemeinschaftsanlagen ist die rechtliche Situation gegenüber eventuellen Miteingentümern zu eruieren und mit der Hausverwaltung abzustimmen. Wichtig ist auch, sich vorab mit dem Netzbetreiber in Vebindung zu setzen, da das Laden eines Elektroautos auch bei vergleichsweise geringer Ladeleistung aufgrund der Dauer eine außergewöhnliche Netzbelastung darstellt.

Rudolf Skarics

Hier handelt es sich um journalistisches Überblickswissen im Rahmen rasant fortschreitender technischer Entwicklungen. Beachten Sie deshalb unbedingt die Bedienungsanleitungen, Betriebsbedingungen und Vorgaben der Netzbetreiber und Fahrzeughersteller.

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