Test: MG ZS EV

MG ZS EV: Der elektrische Chinese

Der ehemalige Toyota-Importeur und nunmehr größte Toyota-Händler füllt seine Elektroautolücke mit einem beachtenswerten chinesischen Modell

MG ZS EV: Der elektrische Chinese

Im Windschatten des Trommelwirbels der Elektroauto-Neuheiten ist fast unbemerkt eine Auto nach Österreich durchgedrungen, das durchaus Beachtung verdient, auch wenn es sich um ein chinesisches handelt. Gerade bei den Elektroautos sollte man aus europäischer Sicht nicht arrogant sein.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Die gut ausbalancierte Linienführung orientiert sich am Weltgeschmack. Die Felgen sind irgendwie von gestern. Bild © laggers.at

Vereinzelt sind ja schon chinesische Fahrzeuge nach Europa geraten, aber spätestens nach Bekanntwerden übler Crashtest-Resultate wieder verschwunden. Abgesehen davon hätte man sich von diesen Autos ohnehin nicht viel erwartet außer billig. Mit den Elektroautos hat sich das nun geändert. Die Skepsis ist zwar noch vorhanden, die Rahmenbedingungen haben sich geändert. In China sitzen die größten Batteriehersteller, das ganze Land hat aufgeholt beim Autobauen. Die Karten sind neu gemischt.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Hohes Heck: Die Ladekante ist hoch wie bei fast allen SUVs. Bild © laggers.at

Britisch ist nur mehr der Name

Die Firma Frey, bis vor kurzem Toyota-Importeur für Österreich und noch immer größter Toyota-Händler füllt die Elektroauto-Lücke der Japaner (heuer wird noch kein elektrischer Toyota kommen) mit einer chinesischen Marke, immerhin mit europäischem Historien-Hintergrund. Das Auto heißt MG ZS EV, und ist, so viel sei schon verraten, eine ziemlich clevere Umsetzung der Idee.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Klassische Armaturen, in der Bedienlogikogik nicht immer einfach, Drehsteller zur Fahrtrichtungswahl wie bei Jaguar. Bild © laggers.at

MG, die alte britische Traditionsmarke, zuletzt MG-Rover, gehört mittlerweile SAIC (kommt von Shanghai Automotive Industry Corporation), dem siebentgrößten Autohersteller der Welt und chinesischerseits eng verbandelt mit Volkswagen. MG also hat jetzt ein Elektroauto auf die Räder gestellt, das wir uns nun näher ansehen werden.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Gute Sitze in zeitgemäßem Kunstleder, das sich mindestens so natürlich anfühlt wie das Echtleder-Lenkrad. Bild © laggers.at

Sicherheit tadellos

Zuerst einmal der Sicherheits-Check. Im EuroNCAP-Crashtest hat man fünf Sterne erreicht und liegt auch bei den Prozentpunkten in den Detailwertungen mit allen anderen guten Autos aus Europa und Fernost gleichauf. Man kann sich also schon mal guten Gewissens hineinsetzen und stellt fest, dass sich der Erstkontakt ziemlich unauffällig anfühlt. Das Lenkrad ist nicht der Länge nach aber doch höhenverstellbar, woraus sich schlussendlich eine eher flache Lenkradposition ergibt, weiter ohne besondere Bedeutung bei der relativ aufrechten SUV-Sitzposition. Die Sitze sind guter Stand der Technik, beim teureren Modell, das wir fuhren, auch gleich aus lederartigem Kunststoff, der sich nicht weniger nach Leder anfühlt als das Lenkrad, das definitiv aus echtem Leder ist.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Nicht allzu große Batterien mit 44,4 Kilowattstunden Energieinhalt, gut verstaut am Fahrzeugboden. Bild © laggers.at

Irgendwie hat man in der Geläufigkeit des Umgangs das Gefühl, als gäbe es dieses Auto schon länger, jedenfalls verschreckt es nicht mit ehrgeizigen Insignien des elektronischen Fortschritts. Man findet die üblichen Bedienelemente vor, bis hin zum klassischen Tempomat-Hebel an der Lenksäule. Der Bordcomputer in der Instrumententafel, bedienbar über die Lenkradtasten, und der Touchscreen an der Mittelkonsole sind nicht ganz ohne Irritationen zu handhaben. Hier soll noch ein Update folgen, um sich der europäischen Logik anzunähern. Der Drehknopf zur Fahrtrichtungswahl an der Mittelkonsole erinnert uns an Jaguar und Land Rover und ist wie dort gut zu bedienen. Die automatische Feststellbremse setzte allerdings in ihrem Übereifer die Waschstraße vorübergehend außer Gefecht.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Erstaunlich: Der Motorraum ist angefüllt bis oben wie bei einem Verbrenner, enthält Elektromotor mit Leistungelektonik. Bild © laggers.at

Die technische Substanz ist in Ordnung.

Eine gut abgestimmte McPherson-Radaufhängung vorne und eine platzsparende Verbundlenkerachse hinten sorgen für tadellosen Federungskomfort und ein sicheres Gefühl beim Vorwärtskommen. Windgeräusche bleiben bis zur Höchstgeschwindigkeit unauffällig. Das leise Singen des Eingang-Getriebes wird schon vom geringsten Geräusch der Soundanlage übertönt.

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Tiefere Ordnung: In einem Styroporring befinden sich Reifenreparaturset und zwei Ladekabel. Reserverad gäbe es auch. Bild © laggers.at

Die Platzverhältnisse erweisen sich als recht großzügig, die Batterien sind gut am Wagenboden verstaut. Der Kofferraum ist tief und besitzt sogar eine Reserveradwanne, in unseren Breiten mit guten Straßen aber mit einer Styroporring gefüllt, der Reifenreparaturset und Ladekabel enthält. Das Ladekabel für die Steckdose ist übrigens serienmäßig, das dicker Ladekabel für die Wallbox kostet aber extra. Sonst enthält die Aufpreisliste nur mehr den Metallic-Lack.

MG ZS EV: Der elektrische Chinese
Bild © laggers.at

Die Elektrotechnik ist problemlos

Die Elektrotechnik funktioniert vom Laden bis zum Antrieb des Fahrzeugs tadellos. Wie bei jedem Elektroauto mit Fronantrieb sind Vorderachse und Reifen bei Vollgas unter Traktionsstress, aber ohne ungute Lenkradreaktionen. In drei Fahrmodi (Eco, Normal und Sport) kann die Antriebscharakteristik variiert werden, und in drei Rekuperationsmodi die Motorbremscharakteristik. Die Leistungsfähigkeit ist in guter Balance mit dem ganzen Auto An der Wallbox kann nur einphasig, also in Österreich maximal mit 3,7 kW geladen werden, beim Gleichstrom-Schnellladen können es bis zu 80 kW werden. Beim entsprechenden Anforderungsprofil, etwa als Speckgürtelbewohner, erscheinen die rund 250 km Reichweite mit der nicht allzu großen 44,4 kWh-Batterie auch ausreichend.

Rudolf Skarics

Daten MG ZE EV Luxury

Preis  € 33.790,– (NoVA 0 %).
Basispreis € 31.790,– (Comfort)
Motor, Antrieb Elektromotor, 1-Gang-Getriebe, Frontantrieb. Leistung/Drehmoment maximal 105 kW (143 PS), 353 Nm. Nennleistung 68 kW (92 PS)
Batterien 44,5 kWh,
Laden 3,7/80 kW.
Fahrleistungen 0–100 km/h 8,2 sec, Spitze 140 km/h, Normverbrauch/Reichweite 18,6 kWh/100 km/263 km (WLTP). Testverbrauch 18,7 kWh/100 km, Testreichweite 260 km.
Dimensionen 5 Sitze, L/B/H 4314/1809/1644 mm, Kofferraum 448 l. Räder 215/50 R 17.
Gewichte Leergewicht 1532 kg, Zuladung 434 kg, keine Anhängelast.
Sicherheit Euro NCAP */90/85/64/70 % (2019)
Ausstattung Klimaautomatik, Alufelgen, Adaptiver Tempomat, Spurassistent etc., Bergabfahrassistent, Halogenscheiwerfer, Parksensoren hinten, Rückfahrkamera, Panorama-Schiebedach, el. Fahrersitz, 8-Zoll-Touch Screen, Navi, 6 Lautsprechermit 3D-Klang.
Extras Metallic-Lack € 650,–, Typ-2-Ladekabel bis 32 Ampere € 210,–.

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