Test Mini Cooper SE

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch

Den Mini gibt es schon länger als Plug-in-Hybrid. Jetzt ist er tatsächlich und definitiv auch als Elektroauto zu haben.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch

Irgendwie hat man das Gefühl, es gäbe den elektrischen Mini eh schon lang, so konsequent geistert er durch soziale Netzwerke, unsere Köpfe und Gazetten. Aber jetzt ist er definitiv zu kriegen. Wir kennen den Mini grundsätzlich als sehr fahraktiven Kompaktwagen – Kleinwagen kann man ja wirklich nicht sagen. Also: Reinsetzen und Losfahren. Es fühlt sich alles wie gewohnt an, nur das je nach Modellvariante mehr oder weniger verwegene Geräusch fehlt. Nachgerade lautlos pfeift der Mini dahin. Eine ziemlich ausgefuchste Antriebsschlupfregelung an der angetriebenen Vorderachse sorgt dafür, dass immer ausreichend Traktion zustande kommt. Bei 270 Newtonmeter Drehmoment, die elektrogemäß praktisch zu jeder Sekunde zur Verfügung stehen, ist das ja beileibe nicht selbstverständlich.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch
Der Mini als Nasenbär. die Antriebstechnik dahinter stammt aus dem BMW i3. Bild © Mini

Technik aus dem BMW i3

Der Mini war ursprünglich nicht als Elektroauto vorgesehen, wurde also nachträglich für den Elektroantrieb adaptiert. Die wesentliche Technik dafür stammt aus dem BMW i3. Das ist eine ähnliche Sachlage wie bei Volkswagen mit dem Elektro-Up und dem Elektro-Golf, die ebenfalls nachträglich zum Elektroauto umfunktioniert wurden. Auch Hyundai und PSA bieten Modelle an, die sowohl mit Verbrenner als auch mit Elektroantrieb erhältlich sind. Dort wurde der Elektroantrieb aber schon im Konzept mitgedacht. Die nächste Konsequenz des Elektroantriebs ist, wenn es gar keine Möglichkeit mehr gibt, wahlweise auch einen Verbrennungsmotor einzubauen, etwa beim Modularen Elektrobaukasten von Volkswagen.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch
Die Mühsamkeit der Verschänkung von Retro-Vergangenheit und Zukunft erscheint bei den Armaturen besonders krass. Originell ist das auf aber jeden Fall. Bild © Mini

Erster E-Mini vor 11 Jahren

Während BMW mit dem i3 ein konzeptionell einsames Exempel in der Elektromobilität statuierte, hat es eine Weile gedauert, bis aus dem Mini auch ein Elektro-Mini wurde. Bereits vor 11 Jahren wurde das erst Modell präsentiert, damals im Rahmen eines Flottenversuchs in Berlin, in dem es nicht so sehr um das Auto an sich ging, sondern darum, das alltägliche Verhalten von Elektroauto-Nutzenden zu untersuchen. Dieser Mini sah schon sehr ähnlich aus wie heute, hatte auch ähnliche Fahrleistungen, war allerdings ein Zweisitzer ohne nennenswerten Kofferraum, weil im Fond noch etliche Batteriepakete Platz beanspruchten.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch
Der Motorraum ist vollgepfropft. Für die Montage des Elektroantriebs musste ein eigener Hilfsrahmen geschaffen werden. Bild © Mini

Energieinhalt verdoppelt

Den technischen Fortschritt in den elf Jahren kann man etwa so sehen: Während beim i3 seit seiner Präsentation 2011 bei vorhandenem Bauraum der Energieinhalt der Batterie verdoppelt wurde, gelang es beim Mini mittlerweile, die Batterien mit 32,6 kWh Energieinhalt für eine Reichweite von mehr als 200 Kilometer ohne nennenswerte Platzeinschränkungen gegenüber dem Verbrenner-Mini unterzubringen. Der Elektromotor sitzt vorne anstatt des Verbrennungsmotors und füllt samt der Leistungselektronik und einem eigens konstruierten Hilfsrahmen den Motorraum vollständig aus. Die Batterien sind T-Förmig unter den Rücksitzen und entlang des Mitteltunnels untergebracht. Die Batteriemodule konnten nicht direkt aus dem i3 übernommen werden. Die Zellpakete im Mini sind etwas niedriger. Die Batterien sind für gute Ladeleistungen gekühlt, und die Wärmepumpentechnik ist beim Mini von vornherein serienmäßig. Sie hilft vor allem, den enormen Reichweitenverlust im Winterbetrieb bei Minustemperaturen abzufedern. Mit dreiphasigem Lader mit 11 Kilowatt für die Wallbox und 50-kW-Gleichstrom-Schnelladen an öffentlichen Säulen ist der Mini auch von der Ladetechnik her gut gerüstet.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch
Kein nennenswerter Platzverlust durch die Batterien. Sie wurden T-förmig unter den Rücksitzen und dem Mitteltunnel untergebracht. Bild © Mini

Serienfertigung statt Manufaktur

Während der BMW i3 in Manufaktur-Manier in Leipzig gebaut wird, wurde die Herstellung des elektrischen Mini in die Serienfertigung des Verbrenner-Mini in Oxford integriert, ähnlich der gemischten Fertigung des elektrischen Jaguar I-Pace und des E-Pace mit Verbrennungsmotoren in Graz. Es gibt den elektrischen Mini nur als Dreitürer, da dies auch mit Verbrennungsmotor die mit Abstand meistverkaufte Modellvariante ist.

Mini Cooper SE: Jetzt wirklich rein elektrisch
Laden auf der Höhe der Zeit: Bis zu 11 kW an der Wallbox und bis zu 50 kW öffentlich. Das reicht bei 32,6 kWh Batteriekapazität für überschaubare Ladezeiten. Bild © Mini

Nur als Dreitürer

Den elektrischen Mini gibt’s übrigens nur in der dreitürigen Variante. Zwar hätten im Viertürer oder in der Kombiversion namens Clubman mehr Batterien für mehr Reichweite Platz gefunden, aber auch mehr Gewicht und einen höheren Preis zur Folge gehabt. Ausschlaggebend für die Konzentration auf den Dreitürer war, dass der dieser die meistverkaufte Karosserievariante des Mini ist und so ohnehin die meiste Kundschaft anspricht.

Rudolf Skarics

Mini Cooper SE Daten

Preis: ab € 32.950,-
Antrieb: Elektromotor vorne, 135 kW (184 PS)/270 Nm, einstufiges Getriebe mit integriertem Differenzial
Batterien: Lithium-Ionen, 32,6 kWh
Laden: Wechselstrom 230V bis 11 kW (Wallbox) 2,5h (80 %), 3,5h (100%)/ DC bis 50 kW, 35 Minuten (80 %)
Dimensionen: L/B/H: 3845/1727/1432 mm, Kofferraum: 211-731 l
Gewichte: Leer/Zuladung/Anhängelast 1365/405/1770 kg
Fahrleistungen: 0-100 km/h 7,3 sec, Spitze 150 km/h, Normverbrauch (WLTP) 14,8-16,8 kWh/100 km, Normreichweite (NEDC): 235-270 km

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