Preisverleihung

Porsche-Preis für Modularen E-Antriebs-Baukasten

Die Technische Universität Wien verleiht alle zwei Jahre einen wohldotierten Preis an Automobilingenieure. Das Elektroauto ist jetzt auch in dieser Welt angekommen.

Porsche-Preis für Modularen E-Antriebs-Baukasten

Es gab einmal einen Autokonstrukteur, der in seinen jungen Jahren zuallererst mit Elektroautos erfolgreich war. Und zwar exakt um die vorletzte Jahrhundertwende. Wir erinnern uns an Ferdinand Porsche, der im Auftrag der Lohner-Werke, den Lohner-Porsche entwickelte – gemeinsam mit deren Chef, Ludwig Lohner. Das war ein Elektroauto mit Radnabenmotoren, das auch in einer Allradversion und als Hybridantrieb mit zusätzlichem Benzinmotor gebaut wurde. Die Lohnerwerke wiederum sind Anfang des 19. Jahrhunderts aus einer Wagnerei hervorgegangen und bauten auch Straßenbahnen und Flugzeuge.

Die ersten Elektroautos waren ja den ersten Benzinautos in ihren Eigenschaften voraus, nur sehr bald hatte der extrem energiereiche Erdöl-Kraftstoff die Nase vorn. Nicht ohne Grund: Es begann der Erste Weltkrieg, und mit einem Kanister Benzin kann man leichter einen Krieg gewinnen als mit einer Bleibatterie, die damals den höchsten Stand der elektrischen Speichertechnik darstellte.

Porsche-Preis für Modularen E-Antriebs-Baukasten
Lohner-Porsche: Ferdinand Porsches erstes Auto war ein Elektroauto. Foto: Porsche

Gut dotierter Preis: 50.000 Euro

Doch schnell in die Gegenwart: Nach Ferdinand Porsche ist ein großzügig dotierter Preis benannt, der alle zwei Jahre von der Technischen Universität Wien verliehen wird (wo Porsche auch sein Ehrendoktorat erhielt), und zwar für besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kraftfahrzeugtechnik. Der international anerkannte Preis wurde 1976 von Louise Piëch, der Tochter von Ferdinand Porsche, gestiftet und 1977 zum ersten Mal verliehen. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro kommt je zur Hälfte vom Auto-Handelsunternehmen Porsche Holding Salzburg und dem Autohersteller Porsche AG mit Sitz in Stuttgart.

Und über all dies würde hier niemand berichten, wenn nicht diesmal ein Elektroauto-Konzept zum Preisträger gekürt worden wäre: Der Modulare E-Antriebs-Baukasten, kurz MEB, von Volkswagen. Oder besser: Es wurde der Verantwortliche hinter der Entwicklung auserkoren, nämlich Thomas Ulbrich oder noch besser das ganze Team rund um ihn.

Porsche-Preis für Modularen E-Antriebs-Baukasten
Thomas Ulbrich, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, Geschäftsbereich Technische Entwicklung, die maßgebliche Person hinter dem Modularen E-Antriebs-Baukasten von Volkswagen. Foto: Porsche Holding

Immer weniger E-Auto-Skeptiker

Viel wichtiger als die Bewältigung der zweifellos äußerst komplexen technischen Aufgabe ist aber die Symbolwirkung. Elektromobilität erfährt damit auch in Kreisen höchste Anerkennung, die bisher dem Elektroantrieb eher skeptisch gegenüber standen.

Ein bisschen seltsam wirkt es natürlich, wenn zwei Porsche-Unternehmen einer Volkswagen-Entwicklung einen Preis stiften. Den Verdacht, dass das Geld letztlich nur von der linken in die rechte Tasche wandert, kann entkräftet werden. Das Preisgeld stammt zwar von den beiden Porsche-Unternehmen, die Entscheidung für die Preistragenden wird aber nach wissenschaftlichen Kriterien von der TU getroffen, wobei auch regelmäßig Unternehmen außerhalb der VW-Konzernfamilie zum Zug kommen. Von 33 Preisträgern erhielt übrigens den Preis bisher nur eine Frau, nämlich Anke Kleinschmit von Daimler zum Thema Diesel-Abgasreinigung, im Jahr 2017, als die Wellen des Dieselskandals gerade über VW zusammenschlugen. Aber das ist ja schon wieder Geschichte, jetzt geht’s ja elektrisch weiter.

Rudolf Skarics

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