Test: Kia e-Soul Platin Long Range

Kia e-Soul: Chic und prakisch

Eines der ersten richtig guten Elektroautos wächst in zweiter Generation über sich hinaus, natürlich auch in der Reichweite.

Kia e-Soul: Chic und prakisch


Während andere noch mit dem Drucken von Plakaten und Versenden kühner Elektroauto-Botschaften übers Internet voll beschäftigt sind, setzen die Koreaner mit ihrer Art der Elektroauto-Offensive bereits im wahren Leben einen Schritt vor den anderen.

Die erste Generation des e-Soul erschien bereits 2015. Er war damit das erste Elektroauto der Koreaner bei uns. Wir fuhren ihn im Rahmen unseres ersten Elektroauto-Vergleichstests, der in der Jänner-Autorevue 2016 erschien.  Er wies eine Maximalleistung von 81 kW (111 PS) auf. Er machte neben der damaligen Mercedes A-Klasse den hochwertigsten Eindruck und präsentierte sich schon ganz ohne Elektroauto-Allüren. Wir zogen den Hut. Doch mit 27 kWh Batteriekapazität beförderte er neben Passagieren und Gepäck wie alle anderen Elektroautos damals auch die Reichweitenangst. Nach 157 Kilometern war endgültig Schluss, und das obwohl noch moderate Temperaturen herrschten.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
Ein bisschen kleiner aber rund 5000 Euro günstiger als Bruder e-Niro. Foto: © laggers.at

Neuer Soul, neuer Elektroantrieb

Mit Erscheinen des gründlich neuen Kia Soul kommt nun auch die Elektroversion neu. Die Technik kennen wir aber schon, nämlich aus dem Hyundai Kona und dem Kia e-Niro. Wie seine nahen Verwandten gibt es den neuen e-Soul nun auch in zwei Leistungs- (100 und 150 kW) und Batterievarianten (39,2 und 64 kWh), wobei der stärkere Motor auch mit der größeren Batterie verknüpft ist.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
Gute aufrechte Sitzposition, klassenübliche Qualitätsanmutung. Foto: © laggers.at

Dabei spielen diese als Spitzenleistung angegebenen Werte beim Elektroauto eh keine so dominante Rolle wie beim Verbrenner. Im Zulassungsschein steht nämlich was wirklich zählt, die Nenndauerleistung, und die beträgt bei unserem Testwagen, dem stakten Modell mit großer Batterie, 29 kW also gerade mal knapp 40 PS, beim schwächeren nur unbedeutend weniger (27,3 kW/37,1 PS). Das ist auch die leistungsmäßige Grundlage für die Versicherungen – Kfz-Steuer zahlt man fürs Elektroauto sowieso keine. Das Drehmoment ist bei beiden Motoren mit knapp 400 Nm sogar gleich groß und fast doppelt so hoch wie bei einem vergleichbaren Benziner.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
Gar nicht langweiliger Anblick – auch von hinten. Foto: © laggers.at

Durchgehend leise und sehr komfortabel

Wir sehen es hier besonders deutlich: Leistungs- und Drehmomentwerte eines Elektroautos sind nicht direkt mit einem Verbrenner vergleichbar. Der Elektromotor entwickelt durch sein enormes allgegenwärtiges Drehmoment seine eigene Souveränität. Die Ingenieure müssen sich aber besonders anstrengen, dass das Fahrzeug selbst möglichst wenig Geräusch entwickelt, weil der Motor ja nichts übertönt. Auch das ist hier sehr gut gelöst, erst bei weit jenseits von 100 km/h treten nennenswerte Windgeräusche auf, die Rollgeräusche sind über alle Bereiche gut weggedämmt.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
Übersichtliches Armaturenbrett mit Lenkradfernbedienung und Drehreglern für die Fahrtrichtungswahl. Foto: © laggers.at

Als wesentliches Kaufkriterium tritt also die Motorleistung in den Hintergrund und die Batteriegröße hervor. Sie beeinflusst entscheidend den Kaufpreis und die Reichweite. Und da würden wir sagen: In vielen Fällen sollte vielleicht auch die kleinere Batterie mit knapp 40 kWh reichen.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
Wenn’s sein muss, sogar Platz für ein Reserverad. Foto: © laggers.at

Mit ausschließlich europäischen Steckern

Der e-Soul ist von der Statur her dem e-Niro nicht unähnlich, wirkt in seiner Karosserieform recht originell und bietet nur unwesentlich weniger Platz und Kofferraum und ist dabei auch noch rund 3000 Euro billiger. Er besitzt sogar eine richtige Reserveradwanne, auch wenn serienmäßig nur ein Reifenpickzeug an Bord ist. Was außerdem sehr praktisch ist: Kia verbaut jetzt in seinen europäischen Autos generell die europäische Kombisteckdose (CCS), die sowohl zum Laden von Wechselstrom als auch zum Schnellladen mit Gleichstrom an Highpower-Ladestationen geeignet ist. Das Schnellladen geht mit bis zu 100 kW Leistung sehr schnell, das langsame Laden zuhause mit höchstens 3,7 Kilowatt dann aber eher langsam.

Kia e-Soul: Chic und prakisch
© laggers.at

Trotzdem: Für den neuen Soul gilt, was natürlich auch für den Hyundai Kona Elektrik und den Kia e-Niro zutrifft: Aufgrund ihrer Batteriegröße und Reichweite sind sie für sehr viele Nutzungsprofile geeignet, eine Auto mit Verbrennungsmotor komplett zu ersetzen.  Mindestens 400 Kilometer Reichweite samt Klimaanlage mit immer noch ein bisschen Reserve in der Batterie im Sommer lässt auch für den Winter Optimismus aufkeimen. Und plötzlich ist da wieder diese Selbstverständlichkeit, mit der wir immer schon Auto gefahren sind.

Rudolf Skarics

Daten Kia e-Soul Platin Long Range

Preis: € 46.590,–
Basispreis € 34.990,– (100 kW/136 PS/39,2 kWh)
Antrieb Elektromotor 150 kW (204 PS)/395 Nm, Nenndauerleistung 29 kW (39,4 PS), Frontantrieb.
Batterien Lithium-Ionen 64 kWh.
Laden Wechselstrom 230 V bis 6,6 kW einphasig, Gleichstrom- Schnellladen bis 100 kW.
Dimensionen L/B/H 4195/1800/ 1605 mm, Kofferraum 315–1339 l
Gewicht 1736 kg, Zuladung 454 kg, Anhängelast 0 kg.
Fahrleistungen 0–100 km/h 7,9 sec, Spitze 167 km/h, Normverbrauch 15,7 kWh/100 km, Normreichweite 452 km. Reichweite im Test 380 km.
Ausstattung: adaptiver Tempomat, Rückfahrkamera, Smart Key, Rücksitze 60:40, Parksensoren, Aktionsradius-Anzeige, Sitzheizung auch hinten, Querverkehr- und Totwinkel­assistent, 10,25-Zoll-Navi- und Harman-Kardon-Soundsystem, Head-­up-Display, LED-Vollscheinwerfer mit Fernlichtasssistent, elektrisch verstellbare Ledersitze etc.
Extras Metallic-Lack € 500,–.

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