Test Mercedes E 300 de T-Modell

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel

Zwei Welten prallen aufeinander und geben einander sogar recht: Diesel für die Langstrecke, E-Antrieb für die Stadt.

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel

Beim ersten Hinsehen ergibt die Hybridisierung eines Dieselantriebs nicht besonders viel Sinn. Der Dieselmotor ist von vorne herein schon sehr sparsam, der Entwicklungs- und Herstellungsaufwand ist deutlich größer als beim Benziner, vor allem auch durch die aufwendige Abgasreinigung. Was will man bei einem Diesel noch mit einem zusätzlichen Elektroantrieb erreichen: Dass das Auto endgültig unerschwinglich wird?

Für Flottenverbrauch und Umweltgewissen

Doch der Reihe nach: Die Elektrifizierung des Automobils kann viel weitreichender gesehen werden als nur aus dem Blickwinkel der Kohlendioxid-Vermeidung zwecks Einhaltung von Flottenverbrauchszielen (für den Hersteller) oder Verbesserung des Umweltgewissens und Senkung umweltbedingter Abgaben (für die Kundschaft). Hybridisierung hält jenseits dieser seltsamen Rechenmethode, die das Hybridauto viel sauberer darstellt als es in den meisten Fällen ist, doch auch seriöse Aspekte bereit. Plug-in-Hybride erlangen mitunter schon über die Möglichkeit des rein elektrischen Fahrens ihre Daseinsberechtigung. Das gilt auch für den Diesel.

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel
Am rechten, hinteren Stoßfänger findet sich Mercedes-typisch die Ladebuchse zwecks Stromzufuhr. © laggers.at

Und schon ergibt sich für den Diesel-Hybrid ein ganz kräftiges Argument: Eine enorme Reichweite mit dem sparsamen Dieselmotor auf der Langstrecke und zusätzlich die Möglichkeit, die Kurzstrecken rein elektrisch zurückzulegen. Denn auf der Kurzstrecke zeigt der Dieselmotor besondere Schwächen, hat im Verbrauch kaum Vorteile, ist dabei hauptsächlich mit Abgasreinigen beschäftigt – mit entsprechend hohem Wartungsbedarf und Verschleißerscheinungen seitens Filter und Katalysatoren. Ein Phänomen von dem Taxifahrer und Fuhrparkmanager nicht nur seit kurzem erst ein Lied singen können.

Optimierungspotenzial: Stufe im Laderaum

Genau an dieser Stelle hakt Mercedes nun ein. Wer in seinem Nutzungsprofil nicht nur die Langstrecke hat, sondern auch viel Kurzstrecke und Stopp-and-Go, holt sich mit einem Plug-in-Hybrid auf Dieselbasis die Vorteile zweier Welten. Und in diese Argumentationslinie passt auch die E-Klasse von der Statur her sehr gut hinein, und das T-Modell, also der Kombi, ganz besonders. Natürlich bewegen wir uns hier im Nutzungsspektrum hoher Kilometerleistungen, sonst ist das wirklich alles zu viel des Guten. Aber fürs Kilometerfressen ist die E-Klasse tatsächlich eine gute Basis.

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel
160 Liter Laderaumverlust durch die 13,5-kWh-Batterie, nicht sehr elegant eingefügt. © laggers.at

Die technische Auslegung, das Zusammenspiel der Aggregate, wirkt schon sehr ausgereift. Die Einbausituation der Hybrid-Batterie spiegelt diesen Fortschritt allerdings nicht wider. Sie liegt quer über die Hinterachse gestreckt im Kofferraum. Hardwaretechnisch ist an der Integration der neuen Technologie noch zu feilen. Die Batteriekiste beansprucht 160 Liter.

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel
Gut abgedeckt, gut versteckt, nicht einmal orange Hochvoltkabel sind sichtbar. © laggers.at

Der kräftige 194-PS-Vierzylinder-Dieselmotor wird vom 90-kW-Elektromotor klug unterstützt, alles zusammen gut eingewickelt in Dämmmaterial. Auch mit leerer Hybridbatterie bleibt die Hybridfunktion aufrecht, die Dynamik erfährt keinen überraschenden Einbruch, auch die Geräuschkulisse verändert sich nicht. Beim reinen Dieselverbrauch bringt die Hybridfunktion erwartungsgemäß wenig. Ein Schnitt von 5,4 Liter Diesel auf 100 km ohne zusätzliche Stromzufuhr ist gut aber nicht sensationell, zumal er im Stadtverkehr auf 8,6 l/100 km in die Höhe geht. Die Stärke liegt also in der Möglichkeit rund 40 km rein elektrisch zu fahren, mit einem Verbrauch von 10,8 kWh inklusive Ladeverluste.

Mercedes E-Klasse: Strom rettet den Diesel
Mercedes, wie man es gewohnt ist: Über das Doppeldisplay ist es möglich die Kraftflüsse zu visualisieren. © laggers.at

Deutlich erweitert erscheinen die Möglichkeiten des Systems in Richtung Energiesparen, sobald man ein Navigationsziel eingibt. Damit ist der Hybridantrieb nämlich in der Lage, den klügsten Mix zwischen Diesel- und Elektroantrieb zwischen Start und Ziel automatisch zu wählen. Das ist eine schöne Perspektive. Da kommt man sich dann schon sehr umweltfreundlich vor.

Rudolf Skarics

Daten Mercedes E 300 de

Preis: T-Modell (Kombi) ab € 67.790,-
Antrieb: Plug-In-Vollhybrid, Hinterradantrieb, Dieselmotor: R4, 1950 ccm, 143 kW (194 PS)/3800/min, 400 Nm/1600-2800/min, Elektromotor: 90 kW (122 PS), 440 Nm, Systemleistung 225 kW (306 PS), max. Drehmoment 700 Nm/1400/min, 9-Gang Automatik.
Batterien: Lithium-Ionen 13,5 kWh.
Laden: bis 7,4 kW.
Dimensionen: L/B/H: 5025/1852/1468 mm, Kofferraum: 370 l (Kombi 480-1660 l).
Gewichte: Leer/Zuladung/Anhängelast: 2140/660/2100 kg.
Fahrleistungen: 0-100 km/h 5,9 sec, Spitze 250 (elektrisch 130 km/h), Normverbrauch Hybrid 1,7 l/100 km, CO2: 44 g/km, Normverbrauch elektrisch 19,7 kWh/100 km, Normreichweite elektrisch: 54 km. Testwerte: Dieselverbrauch ohne Stromzufuhr 5,4 – 8,6 l/100 km, rein elektrische Reichweite 37 – 45 km.

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