Neu: Audi e-tron GT

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch

Operation gelungen, Identität gerettet: Auf gleicher technischer Basis wie der Porsche Taycan bringt Audi seinen Top-Sportwagen.

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch

Zuerst einmal nimmst du Platz. Und du sitzt in einem guten teuren Audi. Dieses Ambiente ist ganz anders als in einem Porsche, der dir immer gleich sportliche Grundspannung abverlangt, alleine schon aufgrund der Art, wie dich die Instrumente ansehen. Der Audi empfängt dich nicht wie ein Trainer, sondern mehr wie ein Yoga-Lehrer. Da ist zuerst einmal Ruhe, er holt deinen Puls runter. Dann siehst du trotzdem, dass alles da ist, um Höchstleistung zu erbringen. Oder besser: erbringen zu lassen. Also, ohne gleich Stress zu machen, breitet sich die Armaturenlandschaft vor dir aus, schmiegt sich der Sitz um dein Hinterteil, wenn gewünscht auch lederfrei, vegan, wie man heute sagt.

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch
Schärfer gefaltet, gut konturiert: Das Design des Audi RS e-tron GT. Foto: Audi/Christian Houdek

Schnell wird klar: Das ist ein Audi. Auch wenn alles, was unter der Leichtmetallhaut steckt, ein Gemeinschaftswerk mit Porsche darstellt. Ein schönes Bild: Beide haben sich eingebracht und dann ihr Auto herausgearbeitet. Das Loblied auf den Porsche Taycan ist ja schon gesungen (vergleiche Autoreuve 11/19 und 4/20), jetzt gilt es zu schauen, was der Audi e-tron auf dem Level des multifunktionalen elektrischen Hightech-Sportwagens zu bieten hat.

In Würde in der zweiten Reihe:

Auch wenn wir es beim Taycan schon erwähnt haben, wir müssen es hier noch einmal sagen: Eine Heldentat der Konstrukteure ermöglicht es, dass auch hinten noch zwei Personen in voller Würde Platz nehmen können. Wegen einer technisch ziemlich aufwendigen Ausnehmung im Batteriekasten am Unterboden sind auch die Füße der hinteren Passagiere gut unterzubringen. Und zur Not kann hier im Audi auch noch einer in der Mitte sitzen, jedenfalls erlaubt dies die Gurt-Konfiguration.

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch
Geräumiger Supersportler mit Heckklappe: Platz für vier Personen, Gurte sogar für fünf. Foto: Audi/Christian Houdek

Audi hat ja schon bei anderen viertürigen Coupé-Limousinen viel designerisches G’spür bewiesen. Diese Linie, diesen sicheren Strich, führt man, geschickt weiter. Schärfer geschnitten, härter gefaltet als der Porsche zeigt der e-tron GT auf typische Art eine gute Balance zwischen Noblesse und Aggression. Er duckt sich geschickt in den Wind. Den Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 bezieht er nicht nur aus dem sichtbaren Teil der Formgebung. Die meisten Verwirbelungen entstehen ja dort, wo man es gar nicht sieht, nämlich am Unterboden. Und dieser ist komplett abgedeckt und mündet in einen breiten Diffusor am Heck, der irgendwie aussieht wie eine ganze Batterie von Auspüffen. Die notwendige Luft für die Kühlung der Bremsen wird mit Aero-Blades wohldosiert abgezweigt.

Viel Stahl und Alu, wenig Kohlenstofffaser

Die crashstabile Passagierzelle besteht aus ultrahochfestem Stahl, die Außenhaut darüber und der Batterierahmen darunter sind aus Aluminium. Das Dach ist serienmäßig aus Glas und gegen Aufpreis findet man hier Kohlenstofffaser. Damit lässt sich der Schwerpunkt sicher um ein paar Millimeter absenken.

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch
Innen ganz Audi. Du denkst nicht eine Sekunde daran, in einem Porsche Taycan zu sitzen. Foto: Audi/Christian Houdek

Aerodynamik ist ja der springende Punkt bei einem Elektroauto für die Reichweite auf der Autobahn. Die extreme Breite von 1964 mm bewirkt trotz geringer Höhe doch eine erhebliche Querschnittfläche. Da ist es umso wichtiger, so windschlüpfrig wie möglich zu sein. So duckt sich der e-tron GT besser in den Wind als jeder Kompaktwagen oder ein Renault Zoe. Bei allem, was an Reichweiten angegeben wird, sind so an die 400 km realistisch. Oder auf wirklich lebensecht umgelegt: Man wird unauffällig von Wien nach Salzburg schwimmen können, oder in aller Leichtigkeit Graz erreichen, ohne dabei auf der rechten Spur im Windschatten eines Lkw erwischt zu werden.

Technische Daten sehr nahe am Taycan

Die Batterie ist identisch mit jener im Porsche Taycan, was auch von den Motoren anzunehmen ist, auch wenn sie ein bisserl weniger Leistung ausweisen, aber dann eh auch noch Potenzial zum Boosten bis 646 PS besitzen – und sich per Launch Control selbst übertreffen. Ob nun drei oder vier Sekunden von 0 auf Hundert: Die Fahrleistungen auf dem Papier wirken im Straßenverkehr so oder so schon völlig abstrakt. Dafür ist der Audi beim Laden noch ein bisserl schneller. Falls die Ladesäule das überhaupt hergibt, nämlich 800 Volt Spannungsebene, die für 270 kW Ladeleistung notwendig sind. Dann schafft man 100 km Reichweite in fünf Minuten. Das ist die neue Währung. Den Vetter Taycan gibt es auch mit etwas kleinerer Batterie. Das dürfen wir künftig sicher auch beim Audi erwarten. Dass es den Audi auch als reinen Hecktriebler geben könnte, ist dagegen familienaufstellungsmäßig eher nicht in Sicht.

Audi e-tron GT: Quattro auf Vollelektrisch
Es gibt zwei Versionen, dies hier ist die einfachere ohne RS – aber auch nicht gerade schwach oder billig. Foto: Skarics

Die praktische Ader des e-tron GT  wirkt schon fast ein bissl kleinkariert, jedenfalls für einen Sportwagen dieser Liga: Geteilt umklappbare Rücksitze, 405 Liter Kofferraum. Da kann man ja schon fast zum Ikea fahren oder zumindest zum Obi. Immerhin, beim stärkeren RS-Modell sind es nur 366 Liter, wegen der fetten Soundanlage. Apropos Sound. Im RS ist ein synthetisches Motorgeräusch serienmäßig, feinfühlig oder schärfer durchkomponiert je nach Drive-Select-Modus. Fast lautlos ist auch gut, aber mit ein bisschen Motorsound geht der Spaß doch besser ins Blut.

Extras gibts auch hier noch immer

Die fast 40.000 Euro Mehrpreis des RS-Modells lassen sich ja kaum durch die höhere Motorleistung erklären, aber durch einige in der Regel ziemlich teure Mehrwertposten. Serienmäßig sind hier etwa Luftfederung und Wolframcarbid-beschichtete Bremsscheiben. Keramik muss man bei beiden noch einmal extra bezahlen. Matrix-LED-Scheinwerfer sind beim RS serienmäßig, und wer noch einmal etwas drauflegen sticht mit Laser-Fernlicht in die Nacht.

Rudolf Skarics

Audi e-tron GT quattro 101.400,-
Antrieb Allradantrieb
Motorleistung 350 kW (476 PS)
Drehmoment: 630 Nm
Batterie: 93 kWh (netto 85 kWh)
Laden: Wechselstrom 11 kW (22 kW opt.), Gleichstrom 270 kW/800 V
Sitzplätze 5
Dimensionen: 4989/1964/1413 mm
Kofferraum 405 l + 85 l
Gewichte: 2276/564/0 kg
Beschleunigung 0-100 km/h 4,1 sec
Spitze 245 km/h
Verbrauch Strom: 21,6-19,9 kWh/100 km
Reichweite: 487 – 452 km

Audi RS e-tron GT € 140.400,-
Antrieb Allradantrieb
Motorleistung 440 kW (598 PS)
Drehmoment: 830 Nm
Batterie: 93 kWh (netto 85 kWh)
Laden: Wechselstrom 11 kW (22 kW opt.), Gleichstrom 270 kW/800 V
Sitzplätze 5
Dimensionen: 4989/1964/1396 mm
Kofferraum 366 l + 85 l
Gewichte: 4347/513/- kg
Beschleunigung 0-100 km/h 3,3 sec
Spitze 250 km/h
Verbrauch Strom: 22,5-20,6 kWh/100 km
Reichweite: 472 – 433 km
Infomaterial

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