Test Renault Twingo Electric

Renault Twingo Electric: Wieselflink

Man darf ein Auto wohl auch von unten nach oben rechnen und sollte nicht immer vom Maximalbedarf ausgehen.

Renault Twingo Electric: Wieselflink

Man kann den elektrischen Twingo nicht einfach hernehmen und in einer Zahlenmatrix mit irgendwelchen anderen Autos abgleichen, um dann zu dem lapidaren Schluss zu kommen: Zu klein, zu wenig Reichweite, zu wenig Auto überhaupt. Das Größer-stärker-höher-schneller-weiter-Spiel darf hier ruhig ausgesetzt werden. Das ist die Freiheit, die es zu gewinnen gilt: Das Autofahren in seiner Substanz zu begreifen und dann ganz behutsam mit den eigenen Bedürfnissen zu synchronisieren. Man darf das Auto auch von unten nach oben denken, von den häufigen Fällen zu den seltenen und nicht umgekehrt.

Renault Twingo Electric: Wieselflink
Die Top-Version im Streifenlook heißt Electric Vibes und kostet € 24.490,-. Foto: Skarics

Dieses Auto ist gut wie es ist, es macht Sinn wie der Anglikaner sagt. Weil man sitzt sehr bequem und trotzdem mit ausreichend Seitenführung, sollte man eine Ecke mal eher huschhusch erwischen. Man fährt sehr leise und geschmeidig. Nichts knarzt oder knarrt. Eine Qualität, die löblicherweise nicht nur von den großen Elektroautos geboten wird, sondern gleich auf die kleinen übergesprungen ist.

Klein ist durchaus fein

Man musste offenbar etwas tun gegen das Scheppern, weil es beim Elektroantrieb von keinem Motorenlärm übertönt wird. Und wenn schon, dann gleich richtig. So kommen wir hier im Twingo in den Genuss einer akustischen Kultur, die wir von Kleinwagen bisher nicht so gewohnt waren. Man kann überhaupt sagen, dass Renault mittlerweile auch über seine Elektroautos hinaus ein erstaunliches Komfortniveau bietet, in der Qualitätsanmutung wie auch beim Geräusch. Wie das nach 100.000 Kilometer aussieht, können wir aber nicht sagen. Jetzt passt es jedenfalls.

Renault Twingo Electric: Wieselflink
Einfache Formel: Die Heckscheibe ist gleich Heckklappe. Unter dem kleinen Kofferraum sitzt der Motor. Foto: Skarics

Und das macht auch den elektrischen Twingo aus: Er fährt sich so leichtfüßig, so geschmeidig, stellt eigene Dimension der Freiheit des Autofahrens dar, auch wenn ihm derweil die Zeit ein bisschen davongelaufen ist. Die Verquickung mit dem Smart von Daimler war ein lobenswerter Versuch, das Elektroauto in der Kategorie Kleinwagen systematisch neu zu erfinden: Ein Heckmotormodul entweder benzingetrieben oder elektrisch. Das muss wohl die Vision gewesen sein.

Renault Twingo Electric: Wieselflink
Hartes Plastik aber hübsch gestylt: Der Renault Twingo bekommt erst als Elektroauto wirklich Strahlkraft. Foto: Skarics

Die Überlegungen waren gut, aber die Ereignisse rundum schneller. Der Smart ist mittlerweile ein Auslaufmodell mit 16 kWh viel zu kleiner Batterie. Der Twingo hat mit 22 kWh und rund 150 km Reichweite hier noch bessere Karten, wenngleich die Konkurrenz hart ist, denn Fiat 500 und Seat Mii/Skoda Citigo schaffen mit deutlich größeren Batterien locker jenseits von 200 Kilometer. Dafür ist der Twingo viel schneller beim Laden an einer dreiphasigen Wallbox zuhause  oder einer öffentlichen 11-kW-Ladesäule (z.B. Wien Energie), nämlich in zwei Stunden wieder fast voll. Und man bekommt das lustigere Auto. Der Hinterradantrieb und der sehr geringe Wendekreis von 8,6 Meter ergibt ein ungewöhnliches Fahrgefühl. Damit kann man den Vorteil der Kleinheit erst so richtig auskosten.

Twingo Electric: ab 20.590,-
Antrieb: Hinterradantrieb
Motorleistung: 60 kW (81 PS)
Drehmoment: 160 Nm
Batterie: 21,4 kWh (netto).
Laden: Wechselstrom max. 22 kW, Gleichstrom –
Sitzplätze 4
Dimensionen: L/B/H 3615/1646/1557 mm
Kofferraum 210-980 l
Gewichte: Leer/Zuladung/Anhängelast 1111/407/0 kg.
Beschleunigung 0-100 km/h 12,2 sec
Spitze 135 km/h
Verbrauch 16,3 kWh/100 km
Reichweite: 190 km

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