Test: BMW i3 mit Range Extender

Praxistest: Über den Berg und durch die Wälder: Die Möglichkeit, mit einem Hilfsmotor die Batterien nachzuladen, ist interessant und funktioniert …

Test: BMW i3 mit Range Extender

Praxistest: Über den Berg und durch die Wälder: Die Möglichkeit, mit einem Hilfsmotor die Batterien nachzuladen, ist interessant und funktioniert tadellos, erscheint aber letztlich doch nicht im ursprüglichen Sinn der Erfindung. 

Test: BMW i3 mit Range Extender

BMW i3 mit Range-Extender ohne direkten Verbrenner-Antrieb: Die Maschine aus dem Motorroller lädt die
Batterie nach.

Im Grunde eine feine Sache: Wenn der Strom der Batterien zu Ende geht lädt ein Stromaggregat an Bord die Batterien nach, angetrieben wird das Auto aber immer vom Elektromotor. Dieses Stromaggregat nennt man auch Range Extender oder das Ganze miteinander Elektroauto mit Reichweitenverlängerung. Klingt einfach, ist aber im wahren Leben ganz schön kompliziert. Das erste Auto der jüngeren Automobilgeschichte, das von sich behauptete, einen Range Extender zu besitzen, war der Opel Ampera, doch er stellte sich bei näherem Hinsehen als Plug-In-Hybrid heraus. Sein Motor lud nicht nur die Batterien, er konnte auch direkt die Räder antreiben.

Elektroauto mit Hilfsmotor

In der Folge war dann über viele Jahre zwar sehr oft die Rede von Elektroautos mit Range Extender, zu kaufen bekam man aber keines. Jetzt gibt es wirklich ein Elektroauto mit echtem Range Extender, und so waren wir schon sehr neugierig, wie sich der Wagen fährt, zumal sich Elektromobilität in jeglicher Ausformung im Winter immer noch ein bisschen spannender anfühlt als im übrigen Jahr.

Test: BMW i3 mit Range Extender

Großzügig, geräumig, übersichtlich, logisch bedienbar: Der Innenraum des BMW i3.

Wie sich ein BMW i3 grundsätzlich fährt, lesen Sie auch in unserem Vergleich mit weiteren fünf Elektroautos. Jetzt reichen wir den Test der Variante mit Range Extender nach. So stellte sich zu allererst die bange Frage, was würde passieren, wenn kein Strom mehr aus der Batterie kommt und die ganze Last des Vortriebs auf dem kleinen Hilfsmotörchen im Heck liegt. Wird aus dem rasanten Hightech-Elektroflitzer schlagartig ein hilfloser Kabinenroller, wenn die Batterien keinen Saft mehr haben und der Elektromotor seinen Saft nur mehr aus dem „Notstromaggregat“ bezieht?

Voller Benzintank, volle Batterie

Ich fahre also los mit vollem Tank und voller Batterie. Aufgrund der Minusgrade wird mir im gewählten Eco-Modus bald zu kalt. So schalte ich zurück auf „Comfort“. Die Heizung wird wohl die Reichweite etwas beeinträchtigen. Es ist immer das gleiche Spiel: Die tatsächliche Reichweite schrumpft ein wenig schneller als das, was vorher angezeigt wurde, da kannst du rumfummeln an den Fahrmodi wie du willst. Wenn du keinen Reichweitenrekord aufstellen willst, kannst du den Wagen ruhig in der Grundeinstellung Comfort belassen. Eco Pro und Eco Pro Plus sind eher etwas für Ehrgeizige.

Ich begebe mich auf die Autobahn und suche im Menü die Funktion „Reichweite halten“, was flott gelingt. Damit tritt der Range Extender in Funktion. Erste Überraschung: Der Zweizylinder-Rollermotor setzt sich nahezu unhörbar in Bewegung. Man muss sich schon konzentrieren, um das Summen überhaupt wahrzunehmen. Tatsächlich bleibt jetzt die elektrische Reichweite erhalten, allerdings nur solange ich nicht schneller als knapp 100 km/h fahre. Dieser Gleichgewichtszustand stellt sich je nach Wind und Steigung oder Gefälle zwischen 90 und 110 km/h ein, wie ich sodann feststelle. Der Range Extender surrt in einer Tonlage, die auf eine moderate wirkungsgradoptimierte Drehzahl schließen lässt.

100 km Kilometer mit Benzin

Ich fahre nun mit phasenweisem Einsatz des Range Extenders den Tank leer. Nach exakt 190 Kilometer stellt er aus Spritmangel seinen Dienst ein. Er hat meine Fahrstrecke um rund 100 Kilometer verlängert. Die restliche elektrische Reichweite beträgt noch 24 Kilometer. Ich tanke 8,37 Liter in den 9-Liter-Tank und fahre rein elektrisch weiter. Nach weiteren 20 Kilometern bei einer Restreichweite der Batterie von 4 Kilometer setzt der Range Extender von selbst wieder ein. Das Display fordert zum Nachladen an der Stromtankstelle auf.

Test: BMW i3 mit Range Extender

Rollermotor im Heck links neben dem Batteriepaket. Könnte man nicht einfach (viel) größere Batterien eingbauen?

Fazit: Man muss nur entweder Strom oder Benzin an Bord haben, am besten beides. Im Grunde ein schönes Ergebnis: Mehr als zweihundert Kilometer Reichweite unter schlechten Wetterbedingungen. Aber jetzt wollte ich es wirklich wissen: Was ist wenn der Stromvorrat erschöpft ist und die nächste Steigung auf dich zukommt, und womöglich auch noch der Winter?

Bei einer Fahrt auf den Wiener Hausberg Kahlenberg und in den Wienerwald erwies sich das ganze System als extrem stabil. Die Bewegung in einem Spielraum von fast 300 Höhenmetern auf und ab brachte das System Batterie-Range-Extender nicht an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Durch Nachladen auf ebenen Passagen und Rekuperieren in den Bergabphasen pendelte sich eine elektrische Restreichweite von einem bis sechs Kilometern ein. Wenn es wirklich knapp wurde mit dem Stromvorrat, erhöhte der Range Extender zwischendurch auch noch seine Drehzahl, wie akustisch zu vernehmen war. Das heißt, es war in jeder Phase genug Stromvorrat und damit genug Drehmoment für exzellentes Vorwärtskommen verfügbar. Der Supergau mit einem Zusammenbrechen der Fahrleistungen fand nicht statt. Sogar auf der Autobahn reichen die 38 PS des Rollermotors trotz der Umwandlungsverluste noch für VW-Käfer-Fahrleistungen.

Schnellladen überall: Benzin unschlagbar (derzeit noch)

Das heißt, die Grenzen des i3 mit Range Extender ließen sich nur unter extremen Bedingungen erreichen. Dazu gehörten: Eine leere Batterie als Ausgangsbasis und extreme Höhendifferenzen (Großglockner), womöglich gepaart mit sehr hoher Geschwindigkeit (Brennerautobahn). Was als Erkenntnis bleibt: Der Dauerbetrieb mit Range Extender ist trotzdem nicht zu empfehlen, denn durch die Umwandlungsverluste benötigt der i3 im Range Extender-Betrieb an die 9 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Etwas mehr als 200 Kilometer unter wirklich harten Testbedingungen also. Für Sparfüchse erlauben wir uns, dieses Ergebnis verbal zu optimieren: Unter Alltagsbedingungen sind ohne weiteres 250 km schaffen, bei moderatem Wetter und klugem Fahrstil sind auch ohne Verrenkungen 300 Kilometer drinnen.

Test: BMW i3 mit Range Extender

Der Test wurde im Jänner 2016 durchgeführt. Mittlerweile gibt es auch einen rein elektrischen BMW i3 mit größerer Batterie und mindestens 200 km echter Reichweite.

Auch das Fahren auf Schneefahrbahn erwies sich als unproblematisch. Dank sensibler Fahrdynamikregelung gibt’s genügend Traktion und Spurtreue. Spaß aufgrund des algorithmisch voll durchgeregelten Antriebs hingegen eher keinen. Unterm Strich bleibt das uneingeschränkte Vergnügen, ein Elektroauto zu fahren mit der Sicherheit in der Not an jeder Tankstelle Energie in Sekundenschnelle nachfassen zu können. Der Range Extender kostet 4500 Euro zusätzlich, auch das muss gesagt sein.

Bezüglich Steuern und Förderungen gelten für ein Elektroauto mit Range Extender übrigens die Regeln für Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge.

Fotos: laggers.at, Werk (1)

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