Pariser Autosalon: Elektroautos für alle

Pariser Autosalon: Strom der Franzosen

Die Luxusklasse trägt das Image der neuen Elektroautos. Wenn sie aber wirklich Verbreitung finden sollen, muss noch kräftig an ihrem Preis geschraubt werden, und zwar nach unten.

Pariser Autosalon: Strom der Franzosen

Der Renault-Nissan-Chef mit brasilianischer Abstammung, Carlos Ghosn hat am Pariser Autosalon die Studie eines Elektroautos präsentiert, das zuerst in China und dann auf der ganzen Welt auf den Markt kommen soll. Kernaufgabe: Den Preiskampf zu gewinnen und damit wirklich in die breite Masse zu gehen, während der PSA-Konzern seinen ersten rein elektrischen Personenwagen zunächst eher luxuriöser anlegt, nämlich über die Premiummarke DS. In Form des DS 3 Crossback E-Tense soll auch bei Peugeot-Citroen definitiv die Elektro-Ära beginnen und dann über alle Konzernmarken ausgebreitet werden. Die bisherigen Modelle, ein Kleinstwagenderivat von Mitsubishi und ein Lieferwagen können ja eher als Aufwärmübung gezählt werden.

Pariser Autosalon: Strom der Franzosen
Pariser Autosalon 2018: Showcar Renault K-ZE mit Renault-Nissan-Mitsubishi-Chef Carlos Ghosn und dem Bekenntnis: Das Elektroauto muss billiger werden. Foto: © Renault

Kommentar dazu: Luxus versus Masse

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob der Kampf zwischen Tesla und seinen Gegnern, etwa Audi e-tron, Mercedes EQC oder Jaguar I-Pace zum Strohfeuer in der Luxusklasse verkommt oder ob das Elektroauto tatsächlich zur attraktiven Verbrenner-Alternative in der breiten Masse der Alltagsautos werden wird. Immerhin hat auch VW angekündigt, mit dem Modularen Elektrobaukasten in die Masse zu gehen und auf dessen Basis den nächsten Jahren 10 Millionen in Autos zu bauen. Der Schlüssel ist dabei sicher der Preis.

Pariser Autosalon: Strom der Franzosen
DS7 Crossback 4×4, ein plug-in-Hybrid mit 300 PS und 50 km Reichweite. Die rein elektrische Zeit soll mit dem DS 3 beginnen. Foto:© PSA

Preisschlüssel Batteriegröße

Und damit kommt man letztlich zur idealen Größe der Batterie. Derzeit ist ein Reichweitenwettlauf in Gang, der aufgrund der dafür notwendigen riesigen Batterien die Preise in die Höhe treibt – und die Autohersteller in eine unangenehme Lage gegenüber ihren treuesten weil ältesten Kunden. Denn immer, wenn sie ein Nachfolgemodell mit größeren Batterien bringen, müssen sie erst einmal ihren bestehenden Kunden erklären, warum sie ihnen das nicht schon vorher gesagt haben. Darum werden größere Batterien oft ohne großes Aufsehen implementiert, vor knapp zwei Jahren beim Renault Zoe, jetzt gerade beim BMW i3, der nunmehr 42,2 kWh Energieinhalt aufweist, das ist fast das Doppelte gegenüber Markteinführung während Größe und Gewicht der Batterie viel weniger zugenommen haben. Auch der Preis des Fahrzeugs ist bei weitem nicht synchron dazu mitgestiegen.

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BMW i3: Batteriekapazität von zuletzt 33 kWh auf  auf 42 kWh erhöht, nunmehr fast verdoppelt seit Verkaufsstart (22 kWh). © BMW AG.

Bisheriger Reichweitenerfahrungen

Bisherige Erfahrungen vieler Elektroautofahrender haben für viele Anwendungsfälle gezeigt, dass bei einem einigermaßen kompakten Elektroauto eine 30 kWh-Batterie ausreicht, um auch bei geschrumpfter Reichweit im Winter nicht von akuter Reichweitenangst befallen zu werden. Es ist also anzunehmen, dass die ersten Elektroautos mit Preisen, die auch ohne Steuerzuckerln mit Verbrennern der unteren Preisklassen konkurrenzfähig sein werden, auch keine Rekordreichweiten aufweisen werden. Die braucht man nämlich gar nicht, um mit einem E-Auto fröhlich zu sein.

Rudolf Skarics

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