Wasserstoff als Teil der E-Mobilität

Wasserstoff kommt, aber wie!?

Die Frage, ob Batteriebetrieb oder Wasserstoff, stellt sich so gar nicht, denn beides gehört zusammen und ergänzt sich.

Wasserstoff kommt, aber wie!?

Die Frage wird meistens gestellt, als würde schon jemand Wetten darauf annehmen: Wer wird gegen Diesel und Benziner gewinnen: Das Elektro- oder das Brennstoffzellenauto? Doch es ist alles viel komplizierter. Auch wenn jetzt jede Menge Seifenblasen und Luftballons zum Thema Energiewende aufgepumpt werden, sicher ist nur: Die Elektrifizierung der Fahrzeugantriebe ist voll im Gang und stellt einen irreversiblen Prozess dar. Noch viele Jahre werden Verbrennungsmotoren ­ jedoch mit zunehmendem Anteil an elektrischen und elektronischen Komponenten ­ die beherrschenden Elemente im Fahrzeugantrieb sein, mit zahlreichen Spielarten der Hybridisierung. Daneben wird es in zunehmendem Maß auch den Elektronantrieb mit Batteriefahrzeugen und Brennstoffzellenfahrzeugen geben. Der koreanische Hersteller Hyundai bietet derzeit die breiteste Palette an Antrieben an inklusive Brennstoffzelle und muss jetzt schon für die nächsten Jahre planen. Roland Punzengruber, Geschäftsführer Hyundai Import GmbH: „Viele Marktteilnehmer gehen heute von einem Anteil von rund 25 Prozent E-Antrieben bis 2025 aus. Bis zu ein Viertel dieses Kuchens könnte auf Wasserstoff entfallen. Die wahre Entwicklung ist von vielen Faktoren abhängig und natürlich sehr stark auch von Steueranreizen. Was dadurch an Volumen generiert werden kann, zeigt sehr eindrucksvoll der skandinavische Raum, allen voran Norwegen.“

Wasserstoff kommt, aber wie!?
Dieser Prozess funkioniert in beide Richtungen, also nicht nur zur Stromerzeugung aus Wasserstoff, sondern auch zur Wasserstofferzeugung aus Strom. Bild: Daimler

China-Markt als Treiber

Es steht uns also gar keine Entscheidung bevor, die Energiewende ist ein Prozess, den die ganze Weltwirtschaft managen muss, von den Chefs globaler Konzerne bis hinein in die Gemeindepolitik. Viele Entwicklungen können wir uns dabei aber gar nicht aussuchen, sie werden längst von Entscheidungen gelenkt, die weit weg von uns stattfinden, hauptsächlich in China, auf dem mittlerweile technologisch agilsten Markt, von dem alle global agierenden Autohersteller abhängig sind.

Auf die technischen Aspekte heruntergebrochen ergibt sich aber folgendes Bild: Wasserstoff wird als Energieträger an Bedeutung gewinnen. Es fließt weltweit sehr viel Geld in die Wasserstoffforschung, besonders in Japan, aber durchaus auch in Europa. Fahrzeuge, die hohe Lasten mit hoher Geschwindigkeit über weite Strecken transportieren, sind rein batterieelektrisch nicht zu betreiben, sie benötigen einen Energieträger mit höherer Energiedichte, der auch schnell wieder nachgetankt werden kann.

Wasserstoff nicht nur im Verkehr

Wasserstoff ist nicht ganz einfach in der Handhabung. Um eine hohe Energiedichte zu erreichen, muss er entweder extrem tiefgekühlt oder unter sehr hohem Druck gelagert werden. Mit heutigen technologischen Mitteln ist das aber beherrschbar, etwa 700 bar Druck in den Automobil-Tanks. Was aber auf jeden Fall für Wasserstoff spricht, ist, dass er nicht nur im Verkehrsbereich eine interessante Alternative zu fossilen Energieträgern darstellt. Roland Punzengruber: „Die Klimaziele sind ohne Wasserstoff nicht erreichbar. Es geht ja nicht nur um das Autofahren, sondern auch um viele industrielle Prozesse, wo fossile Energieträger ersetzt werden müssen, etwa in der Stahlindustrie.“ Je breiter das Interesse, umso höher auch die Chancen, dass sich eine Idee auch durchsetzt.

Wasserstoff kommt, aber wie!?
Roland Punzengruber, Geschäftsführer Hyundai Import GmbH sieht eine rasante Zunahme der Bedeutung des Wasserstoffs nicht nur im Verkehr. Foto: Hyundai

Die Frage nach dem Tankstellennetz wird allerdings noch länger vakant bleiben. In Österreich gibt es derzeit fünf öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstellen, alle in enger Kooperation mit OMV und dem Gasspezialisten Linde. Vier davon gewinnen den Wasserstoff direkt vor Ort durch Elektrolyse aus Wasser und grünem Strom (Innsbruck, Asten, Graz und Wien).

Komplexe Preisgestaltung bei Wassertoff

Der Preis des Wasserstoffs ist wie bei allen Gasen stark vom Gebinde abhängig. Ein Kilogramm in der Flasche (fossil) kostet an die 50 Euro, an der Tankstelle etwa neun Euro. Mit den wahren Kosten hat der Preis an der Tankstelle wenig zu tun, denn derzeit tanken viel zu wenige Autos, um hier einen streng kalkulierten Preis darzustellen. Roland Punzengruber: „Der Preis für ein Kilogramm Wasserstoff entspricht nahezu dem Äquivalent der auf 100 Kilometer verbrauchten Menge von Benzin oder Diesel. Ob dies Zufall ist oder nicht sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Produktionskosten stark divergieren.“

Wasserstoff kommt, aber wie!?
Derzeit fünf Tankstellen in Österreich, und das Wasserstoff-Tankstellennetz wird nicht explosionsartig zunehmen. Foto: Daimler

Logistik-Branche als möglicher Vorreiter

Einen wichtigen Beschleuniger in Richtung Wasserstoff könnte die Logisitik-Branche darstellen. Die Rahmenbedingungen für die Einführung von Wasserstoff wären in vielen Fällen ideal, da die Fahrtrouten von vornherein weitgehend festgelegt und dadurch auch die Versorgungsinfrastruktur gut geplant werden kann. Von Transportern bis hin zur Eisenbahn gibt es zahlreiche Projekte, die sich mit Wasserstoffantrieb beschäftigen. Alles muss aber irgendwie finanziert werden. Roland Punzengruber: „Die Logistik-Branche ist ein gutes Feld für den Einstieg in die Wasserstofftechnologie, aber sie steht unter hohem Kostendruck. Deshalb sind umfassende Förderungen in der Startphase sehr wichtig. Der Preis eines Wasserstoff-Lkw liegt jetzt noch beim 2,5 bis 3,5 fachen.“

Rudolf Skarics

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